Rot und Weiß. Wanderer zwischen den Städten

Autor*In

Joseph Roth

Details

Die Andere Bibliothek
334 S., € 45,30
Joseph Roths Berichte als Wanderer zwischen den Städten Frankreichs und Osteuropa, verfasst in den 1920er-Jahren.

Buchcover Joseph Roth Rot und Weiß. Wanderer zwischen den Städten

Über das Buch

»Ich habe die weissen Städte so wiedergefunden, wie ich sie in den Träumen gesehn hatte.« Von Lyon über Vienne, Les Baux, Nîmes, Avignon und Arles, Tarascon nach Marseille – mit dreißig Jahren geht Joseph Roth den klingenden Namen der Sehnsuchtsorte seiner Jugend nach, sein frühester Traum erfüllt sich und er wird dort, wo er nie war, »wieder ein Kind«.
Ausgestattet mit einem Reportageauftrag der »Frankfurter Zeitung« geht Roth 1925 auf eine Reise durch den französischen Midi: »Die weißen Städte« des unteren Rhônetals und der Provence mit Marseille sind sein Ziel. Es sind die Orte, in die er sich als Kind aus dem galizischen Schtetl Brody gewünscht hat.
Was er als Reisebuch unter dem Titel Die weißen Städte komponiert, sollte so nie gedruckt werden. Das Buch, ein Schlüsselwerk Joseph Roths, erhält sich bloß als Typoskript. Auch in den späteren Werkausgaben und Anthologien findet es entweder entstellt oder nur in anteiliger Überlieferung Aufnahme. Nun werden Die weißen Städte erstmals vollständig, anhand des im Literaturarchiv Marbach verwahrten Typoskripts von Roths letzter Hand veröffentlicht.
Wie Joseph Roth auf seiner Reise durch Südfrankreich eine Traumreise in ost-westlicher Richtung reflektiert, hatte er zuvor die umgekehrte Route genommen: 1927 erscheint sein Großessay über das Ostjudentum Juden auf Wanderschaft, geschrieben für »Westeuropäer, die auf ihre sauberen Matratzen nicht stolz sind«. Von galizischen Städten und dunklen Bethäusern – aber auch von Ostjuden in den westeuropäischen Ghettos von Paris, Wien und Berlin schreibt Roth. In der Zusammenschau mit den Weißen Städten, mit denen die Juden auf Wanderschaft vielfach korrespondieren, finden wir uns in der zentralen Stelle von Joseph Roths Werk, zwischen persönlichem Essay und literarischem Schreiben, zwischen der Feuilleton-Gewitztheit des Journalisten und der Poetik des Prosadichters.
Volker Breidecker führt durch beide Texte, reichert sie an durch Lektüren von Briefen an Freunde und Zeitgenossen, unveröffentlichten Texten aus den Archiven und entdeckt uns durch die tiefe Kennerschaft der Materialien in einem biographischen Essay den Joseph Roth der 1920er-Jahre.

Autor*Innenportrait

Geboren am 2. September 1894 in Brody/Ostgalizien als Sohn jüdischer Eltern. Nach einem Germanistik-Studium in Wien nahm er als österreichischer Offizier am Ersten Weltkrieg teil. 1919 begann er seine journalistische Karriere bei der Wiener Tageszeitung „Der neue Tag“. 1920 übersiedelte er nach Berlin und entwickelte sich dort als Feuilletonist, Reiseschriftsteller und Essayist zu einem der glänzendsten Stilisten des deutschsprachigen Raums. Als Romancier und Novellist gehört er mit seinen Romanen „Hotel Savoy“ (1924), „Hiob“ (1930), „Radetzkymarsch“ (1932), „Die Kapuzinergruft“ (1938) zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der zwanziger Jahre und des Exils.

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